Kunst neu denken: das Projekt Re+Aktion

Kooperation der beiden EF-Kunstkurse mit der Galerie Deilmann

„Seit wir mit dem Schlaun-Gymnasium zusammenarbeiten, passiert in unserer Sammlung einiges“, schreibt Justin Schwirz auf der Homepage der Galerie Deilmann. Die Galerie befindet sich mitten im Zentrum Münsters und beherbergt die private Sammlung hochrangiger zeitgenössischer Kunstwerke des Architekten Andreas Deilmann. Entstanden ist eine Form der Kooperation, die allen Beteiligten im Gedächtnis bleiben wird. Dies ist in erster Linie dem Engagement von Herrn Schwirz zu verdanken, der seit Februar eng mit den beiden EF-Kunstkursen zusammengearbeitet hat und unser Projekt folgendermaßen beschreibt:

„Mit dem Projekt Re+Aktion laden wir Schülerinnen und Schüler ein, Kunst nicht nur anzuschauen, sondern aktiv zu erleben und dabei ihren ganz eigenen Blick zu entwickeln.

Was Re+Aktion so besonders macht, zeigt sich vor allem zwischen den einzelnen Projektphasen. Denn hier geht es um weit mehr als nur das Ergebnis.

Als öffentliche Kunstsammlung ist es uns ein zentrales Anliegen, Mut zu machen. Mut, sich auf Kunst einzulassen. Und vor allem: Mut, selbst kreativ zu werden und die eigenen Ideen auch zu zeigen.

Das klingt selbstverständlich, ist es aber längst nicht mehr. Wir leben in einer Welt, die stark von Perfektionismus und Außendarstellung geprägt ist. Alles soll „fertig“, „durchdacht“ und möglichst makellos sein. Genau das schafft enorme Hemmschwellen, gerade bei jungen Menschen. Die eigene Kreativität wird schnell hinterfragt oder gar nicht erst zugelassen.

Ein Moment aus dem Projekt hat das besonders deutlich gemacht: Einige Schülerinnen und Schüler erkannten bestimmte Werke aus der Sammlung zunächst nicht als „Kunst“ an – schlicht, weil sie sich selbst zutrauen würden, etwas Ähnliches zu erschaffen.

Was auf den ersten Blick fast wie ein Kompliment klingt, zeigt bei genauerem Hinsehen ein grundlegendes Problem: Kunst wird oft als etwas verstanden, das über uns steht. Etwas, das nur „besondere“ Menschen erschaffen oder verstehen können. Wenn man es sich selbst zutraut, kann es scheinbar keine „echte“ Kunst sein.

Genau hier versuchen wir mit Re+Aktion anzusetzen. Es geht darum, ein neues Selbstverständnis zu entwickeln. Eines, in dem Kunst nicht exklusiv ist, sondern uns allen gehört. Kunst entsteht überall dort, wo Menschen sich trauen, ihre Perspektive sichtbar zu machen.“

Ablauf des Projekts

Beim ersten Besuch ging es noch ziemlich frei zu: Die Schülerinnen und Schüler streiften durch die Räume, ohne dass wir ihnen erklärt hätten, was die Kunstwerke bedeuten oder wie sie entstanden sind. Die Leitfrage war simpel, aber herausfordernd: „Welches Werk ist für euch am meisten und welches am wenigsten Kunst?“ Die Antworten? Spannend und manchmal überraschend: „Für mich ist es keine Kunst, wenn man es einfach nachmachen kann“ oder „Es ist keine Kunst, wenn es langweilig ist.“ Schnell wurde klar, dass viele Kunst vor allem an Schwierigkeit, Technik, Bildlichkeit oder Aussage messen und nicht nur daran, wie sie aussieht.

Danach startete die eigentliche Herausforderung: Jeder und jede suchte sich ein Werk aus und sollte darauf künstlerisch reagieren. Ohne Grenzen, frei nach den eigenen Ideen. Dabei ging es nicht nur um das Gestalten, sondern auch darum, den eigenen Kunstbegriff zu hinterfragen und zu überlegen, wie er sich mit dem „klassischen“ Kunstverständnis verbindet.

Beim zweiten Besuch in der Sammlung wurden erste Entwürfe direkt vor den Originalwerken vorgestellt und gemeinsam besprochen. In der gemeinsamen Diskussion reflektierten die Schülerinnen und Schüler ihre Konzepte, gaben einander konstruktives Feedback und entwickelten ihre Gedanken weiter.

Der Austausch beschränkte sich dabei nicht nur auf die Besuche in der Sammlung. Herr Schwirz machte sich auch auf den Weg zum Schlaun-Gymnasium und begleiteten die beiden Kurse im Kunstunterricht. Dabei ging es nicht allein darum, Impulse für neue Ideen zu geben, sondern die Schülerinnen und Schüler auf ihrem ganz eigenen Weg zum fertigen Kunstwerk zu unterstützen. In den darauffolgenden Unterrichtsstunden wurden die Arbeiten weiter ausgearbeitet und vervollständigt. Schließlich entstand gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern ein kuratorisches Konzept, das die einzelnen Reaktionen miteinander in Beziehung setzte. Ziel war es, die entstandenen Werke nicht nur für sich stehen zu lassen, sondern sie in einer gemeinsamen Ausstellung zusammenzuführen: Als sichtbares Ergebnis eines offenen, dialogischen und kreativen Prozesses.

Am 21.5. haben wir das Projekt mit einer feierlichen Vernissage abgeschlossen. Die Werke sind noch bis Ende Juni in der Galerie Deilmann ausgestellt. Es gibt sogar einen kleinen Ausstellungskatalog, in dem alle Werke abgebildet sind.

2. Juni 2026