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Aktuell vom Schlaun

24.12.2019 15:58

Was hat dich überrascht? Was war schräg? Was war komisch?

Das sind Fragen, die sich die Theatergruppe „MitSprache auf der Bühne“ gestellt hat. Die Jugendlichen aus Afghanistan, Syrien, Irak, und Russland haben sich in einem Szenenspiel, das von dem Leiter Wilhelm Neu im Theaterpädagogischen Zentrum inszeniert wurde, mit ihrer eigenen Herkunft und den Unterschieden auseinandergesetzt, mit denen sie hier in Deutschland konfrontiert worden sind.

Kategorie: Schlaun_Aktuell

Die Gruppe wurde 2016 gegründet, als die erste Internationale Klasse am Johann-Conrad-Schlaun-Gymnasium eingerichtet wurde, und sollte dazu dienen, den Schülerinnen und Schülern in einem spielerischen Setting die deutsche Sprache näher zu bringen. Kooperationspartner bei diesem vorbildlichen Projekt sind das Amt für Schule und Weiterbildung der Stadt Münster, das Theaterpädagogische Zentrum und die Schule. Mittlerweile legen die herangewachsenen Mimen Wert darauf, als ganz normale Jugendliche gesehen zu werden, die eine Leidenschaft zum Theaterspiel verbindet.

Stimmungsvolle Bilder, die passend zu den einzelnen Themen als Kulisse an die Wand projiziert wurden, sorgen dafür, dass man einen Eindruck bekommt, aus welcher Welt die Protagonisten kommen und wie anders das Leben ihnen in Deutschland erscheinen muss. Die Jugendlichen berichten von ihren eigenen Erfahrungen und bringen das Erlebte verpackt in Szenen der Alltäglichkeit eindrucksvoll spielerisch auf die Bühne.

Hundebesitzer, die mit Plastiktüten hinter ihren Hunden herrennen, ihnen Kleidungsstücke anziehen, sie in die Schule und zum Frisör schicken, „Ist das nicht komisch?“ - „Bei uns in Syrien laufen die Hunde in den Ruinen herum. Oft sind sie gefährlich und fallen Menschen an. Es gibt auch Leute, die sie füttern, aber niemand käme auf die Idee, sie mit ins Haus zu nehmen.“ „Wo habt ihr gespielt?“ „Wir waren immer draußen! Fußball, Murmeln, Fangen ... und immer wieder Fußball.“ „Aber dann kamen die Taliban und unsere Eltern hatten Angst, uns nach draußen zu lassen.“

Farshad Shirzad gibt den Zuschauerinnen und Zuschauern einen guten Eindruck von der Rolle eines afghanischen Lehrers, der mit strengem Stechschritt die nach Geschlechtern getrennte Klasse strammstehen lässt und mit autoritärer Gestik seinen Schlagstock schwingt und regelmäßig davon Gebrauch macht.

Nach den einzelnen Szenen war das Publikum gefordert. Die Zuschauerinnen und Zuschauer erhielten die Möglichkeit, den Schauspielerinnen und Schauspielern Fragen zu den Szenen zu stellen. Hier zeigte sich, wie kontrovers zum Beispiel die verschiedenen Erziehungsstile von den Schauspielern und dem Publikum bewertet wurden.

„In unserem Land schlagen die Lehrer mit dem Stock, aber in Deutschland schlagen die Lehrer mit Worten. Das tut auch weh!“

Das von den Schülerinnen und Schülern selbst erarbeitete Werk hat uns einmal mehr gezeigt: Dinge, die uns als „völlig normal“ erscheinen, sehen aus einer anderen Perspektive betrachtet, mit einem anderen Erfahrungsrucksack bestückt, durchaus komisch, lustig oder befremdlich aus.

Wie eine multikulturelle Gesellschaft uns ganz neue Sichtweisen auf das eigene Handeln ermöglichen kann, ist in den einzelnen Szenen sehr gut auf den Punkt gebracht worden. Wilhelm Neu und seine Truppe können auf eine Produktion stolz sein, die auf ganzer Linie einen Beitrag zur Verständigung und Begegnung verschiedener Kulturen geleistet hat.

 

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