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Aktuell vom Schlaun

05.02.2019 08:40

Romeo und Julia, auf Deutsch 2.0

„Zwei Häuser waren - gleich an Würdigkeit - hier in Verona, wo die Handlung steckt, durch alten Groll zu neuem Kampf bereit, wo Bürgerblut die Bürgerhand befleckt. Aus dieser Feinde unheilvollem Schoß das Leben zweier Liebender entsprang, die durch ihr unglückselges Ende bloß im Tod begraben elterlichen Zank.“ Jeder kennt diese berühmten Sätze aus dem Shakespeare-Klassiker „Romeo und Julia“.

Kategorie: Schlaun_Aktuell

An dieses Stück hat sich am 29.01. die Theatergruppe des Kurses „Mitsprache auf der Bühne“ herangewagt. Die Gruppe von Heranwachsenden ist eine Mischung aus Schülern der ehemaligen Internationalen Klasse, die im Rahmen der Zuwanderungswelle 2016 am Schlaun-Gymnasium eingerichtet wurde, und Schülern aus den Regelklassen.

Die Idee zu diesem Theaterprojekt ist in Kooperation mit dem Amt für Schule und Weiterbildung und dem Theaterpädagogischen Zentrum Münster entstanden. Ursprünglich war das Ziel, die Jugendlichen, die damals so gut wie ohne Deutschkenntnisse an die Schulen gekommen sind, über das Medium Theater, sprachlich zu fördern und zu deren Integration beizutragen.

Das Licht geht aus und die Erwartung bei den Zuschauern ist groß. Eine elektrisierende Stimmung überträgt sich auf den Raum. Ein wilder Schwertkampf, der die erbitterte Feindschaft der Familien darstellt, zieht die Zuschauer sofort in den Bann.

Vor einem minimalistischen Bühnenbild, das durch kunstvoll gesetzte Lichteffekte zum Leben erweckt wird, entführen die Akteure das Publikum in die Welt der Montagues und Capulets.

Ganz nach Shakespeare-Manier sind alle Rollen, auch die der Julia, männlich besetzt. Das hat dem Schauspieler Hoshyar sehr viel Mut abverlangt, da er befürchtete von seinen Mitschülern vom Schlaun-Gymnasium auf die Schippe genommen zu werden. Sein überragendes Spiel hat seiner Rolle als Julia eine Würde verliehen, so dass keinem auch nur im Ansatz eingefallen wäre, zu lachen.

Durch die Alltagssprache und die teilweise improvisierten Dialoge, gewinnt das Stück an Authentizität und spiegelt die Lebenswelt der Mimen wider. In der Rolle des Romeos trauert Farshad so ergreifend am Grab der vermeintlich toten Julia, dass man förmlich mitleidet. Alle Schauspieler haben durch ihr ausdrucksstarkes Spiel ihre Rollen perfekt ausfüllen können. Die Zuschauer waren begeistert und honorierten diese Leistung mit Standing Ovation.

Es zeigt: Die Schüler sind mittlerweile in Deutschland „angekommen“ und wollen auch nicht länger als Bedürftige betrachtet werden, sondern einfach als Jugendliche, die gerne Theater spielen!  

Wilhelm Neu hat mit seiner sensiblen Art der Inszenierung und Kostümierung dazu beigetragen, dass das Stück den Schauspielern zu Eigen wurde. Wir sind gespannt, ob Herr Neu einige Schülerinnen und Schüler aus der neuen Internationalen Klasse, die im Januar 2019 am Schlaun-Gymnasium gestartet ist, begeistern konnte.

 

 

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