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Aktuell vom Schlaun

13.03.2019 08:08

Ein Münsteraner in Stasi-Haft: Fesselndes Zeitzeugengespräch mit Burkhard Seeberg

Dass der Unterricht weit über das Klingeln hinaus fortgesetzt wird, ist im Fach Geschichte natürlich überhaupt keine Seltenheit. Am Dienstag, 12.03., hielt es die Schülerinnen und Schüler der beiden Geschichtskurse (Q2) allerdings besonders lange auf ihren Stühlen - der Grund: ein Zeitzeugengespräch mit dem ehemaligen Stasihäftling Burkhard Seeberg.

Kategorie: Schlaun_Aktuell

Die Lebensgeschichte des eingeladenen Zeitzeugen, Burkhard Seeberg, brachte die mit der deutschen Teilung verbundenen Herausforderungen und Zumutungen besonders deutlich und dramatisch zum Ausdruck.

Burkhard Seeberg war kaum älter als die zuhörenden Schülerinnen und Schüler als er 1973 zu den „Weltfestspielen der Jugend“ in die Hauptstadt der DDR, Berlin (Ost), reiste. Der junge Student verliebte sich. In den folgenden Jahren besuchte er seine Freundin und spätere Frau so oft es ging in Rostock. Von den Verhältnissen in der DDR war das junge Paar allerdings zunehmend enttäuscht, wenngleich Seeberg als Mitglied der DKP durchaus sozialistische Ideale hegte.  Im August 1979 wurde er verhaftet, als seine Freundin mit einem gefälschten Reisepass in die Bundesrepublik ausreisen wollte. Wegen "staatsfeindlichen Menschenhandels" wurde er zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt und im September 1980 von der Bundesrepublik freigekauft. Burkhard Seeberg wohnt heute in Münster.

Die Erzählung von den Besuchen in der DDR, von dem Überwachungssystem der Stasi und von der Haft in der DDR vermittelte die Schwierigkeiten, Schicksalsschläge und Absurditäten des Alltags in der Diktatur sehr lebensnah und einprägsam. Interessant waren für die Schülerinnen und Schüler allerdings auch die Berichte von den Aktivitäten Seebergs in der DKP und in der Schülervertretung am Hittorf-Gymnasium während der frühen siebziger Jahre. Wie am Schlaun gab es auch am Hittorf-Gymnasium ein marxistisch orientiertes „Schülerkollektiv Marxismus-Leninismus“, das die schulische Routine hinterfragen und stören wollte.

Das Engagement des Zeitzeugen und die vielen Fragen der Schülerinnen und Schüler machten die Veranstaltung zu einer großen Bereicherung.

 

 

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